Bahnreisen & Handicap

Bahnreisen mit Handicap: Mehr Menschen statt Automaten! Verwirrend, frustrierend, zeitraubend: Nicht nur Senioren und Menschen mit Behinderung verzweifeln an den Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn. Klaus Zentgraf aus Wilhelmshorst in Brandenburg will diese und andere Missstände nicht länger akzeptieren - und gründete im Dezember 2013 das Aktionsbündnis BB 21.

 

Personalabbau zu Lasten Behinderter In 90 Prozent aller Bahnhöfe in Brandenburg gibt es Fahrkarten nur noch am Automaten, so der 62-jährige Rentner, der als halbseitig Gelähmter auf die Bahn angewiesen ist und da seine Erfahrungen hat. 3500 km ist er abgefahren, checkte 280 Bahnhöfe und befragte unzählige Reisende. Dazu konnte er mächtige Unterstützer wie die Gewerkschaft der Bahnbeschäftigten, die Eisenbahngewerkschaft EVG, den Lobbyverband der Fußgänger Fuss e.V. sowie den Verkehrsclub Deutschland für seine Sache gewinnen. Auf Zentgrafs Kritik am Stellenabbau argumentiert die Deutsche Bahn mit den gestiegenen Fahrkartenverkäufen über das Internet. Beim Umdenken, ob Personal und Fahrkartenschalter noch gebraucht werden, regiert klar das Wirtschaftlichkeitsprinzip. In Brandenburg kommen auf 300 Bahnhöfe lediglich sieben Reisezentren. Aufpreise für das Ticket am Schalter von zwei bis fünf Euro fühlen Senioren mit kleiner Rente im Portemonnaie - oder werden gleich vom Personal an den Automaten verwiesen. Auch der Behindertenbeauftragte des Landkreises, Udo Zeller, unterstützt die Forderung des Aktionsbündnisses, nicht zuletzt nach mehr Bahnangestellten vor Ort, die Senioren helfen - nicht nur am Automat.

 

Training für Blinde: Berührungsängste abbauen Dabei hat sich die Deutsche Bahn Barrierefreiheit hochoffiziell auf die Fahren geschrieben. Wie im brandneuen ICE-3, dem modernsten Zug der Deutschen Bahn, stolz darauf, es endlich zu Haltegriffen an den Sitzen und geräumigeren Toiletten gebracht zu haben. Die Bahn ist überzeugt: Nicht allein die Ausstattung, sondern die Berührungsängste Betroffener wie Sehbehinderter, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen, sind das Problem. Und bietet deshalb ein Training "Reisen mit der Bahn" an, eine Schulung für Blinde und Sehbehinderte, gemeinsam mit den Blinden- und Sehbehindertenvereinen NRW. Vor Ort in Bahnhof und Zug lernen Sehbehinderte barrierefreie Ausstattungsmerkmale kennen, wie taktile Leitsysteme über Fußbodenleisten oder kontrastreichere TFT-Monitore und Infotafeln im Einstiegsbereich. Hinzugekommen sind auch Orientierungspiktogramme, Deckenmonitore im Großraumwagen sowie Aufzüge mit taktilen Bedienelementen und Orientierungshilfen per Sprachausgabe. Die Sitzplätze tragen Nummern in Brailleschrift, auch Trittstufen und Glastüren hat man besser gekennzeichnet.

 

Bahn und Barrierefreiheit: Noch viel Optimierungsbedarf Nach Aussage der Kontaktstelle für Behindertenangelegenheiten der DB unternimmt die Bahn große Anstrengungen, selbstbestimmte Mobilität für mobilitätseingeschränkte Menschen zu realisieren. Rentner Klaus Zentgraf reicht all das nicht: Nicht nur seien die Fahrkartenautomaten für Menschen im Rollstuhl zu hoch. Denn fällt Licht auf den Bildschirm, können Sehbehinderte nichts mehr erkennen. Zentgrafs Fazit: Das System Bahn sei für Menschen mit Behinderung per se unfreundlich. Und der Behindertenbeauftragte Zeller ergänzt, dass dies besonders bei Vorlauffristen, die Menschen mit Handicap hinnehmen müssen, deutlich würde: Um Hilfen auf Reisen zu erhalten, müssten diese ihre Reise drei Tage vorher anmelden - schlicht nicht mehr zeitgemäß.

 

 

 

 

 

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