Barrierefreiheit: Wann ein flexibler Rollstuhl der beste Kompromiss ist

Gerade zeichnete die unabhängige Stuttgarter Beratungsstelle Zentrum selbstbestimmt Leben (ZsL) besonders barrierefreie Reiseangebote aus - mit dem Goldenen Rollstuhl. Leider lässt unbeschwerte Barrierefreiheit vielerorts noch auf sich warten. Doch bis es soweit ist, unterstützen leichte, falt- und klappbare Rollstühle Senioren und andere Menschen mit Bewegungseinschränkung auf ihrem Weg durch den Alltag.

Barrierefreiheit: Zürich und die starken Männer

2014 freut sich ein Kaiserslauterner Reiseveranstalter, seit 35 Jahren auf weltweite Reisen für Menschen mit Mobilitätseinschränkung spezialisiert, über den Goldenen Rollstuhl. Im Bereich Kultur- und Freizeitangebote siegte das Hamburger Projekt "Schanze erfahren" mit barrierefreien Streifzügen durch das berühmte Schanzenviertel, die auch für Senioren interessant sein dürften. Wo das eigene Durchhaltevermögen weder langes Sitzen noch Stehen erlaubt, geht es nicht ohne Rollstuhl - ob draußen oder in Innenräumen, ob Behördengang oder Arztbesuch. Egal, ob man allein unterwegs ist oder ein Angehöriger mit zupackt.

Apropos zupacken: Wie überwand eine Schweizer Lokalpolitikerin - übrigens für das Behindertenressort zuständig - die Stufen zum Rathaus? Weil es keine Rampe gab, wurde das Mitglied des Kantonsrads jedes Mal durch ein paar Polizisten hochgetragen. Das Schizophrene: Einmal im Rathaus, gab es einen Treppenlift. Es sei keine Lösung, so die Frau, die seit 2006 Präsidentin der Behindertenkonferenz im Kanton Zürich ist, sich von starken Männern irgendwo hintragen zu lassen - Behinderte wollten die gleichen Bedingungen. Zumindest sei erreicht, dass angehende Architekten und Planer während ihres Studiums auch Zeit im Rollstuhl verbringen müssten.

Faltbare Rollstühle: Starke Helfer machen sich dünn

Denn öffentliche Gebäude, Freizeiteinrichtungen und Gastronomie sind längst nicht auf Rollstühle eingerichtet. Gut, wenn sich der rollende Helfer notfalls auf weniger als die Hälfte seiner Sitzbreite dünnemachen kann. Faltbare Rollstühle finden Platz im kleinsten Winkel. In Kofferraum oder Bus dabei, begleitet der Rollstuhl ältere und gehbehinderte Menschen im Alltag und auf Reisen. Und je leichter der Rollstuhl, desto leichter der Transfer. Diese modernen Leichtgewichte mit Aluminium- oder Stahlrahmen und Doppelkreuzstrebe eignen sich auch für draußen. Dabei sind Leichtbauweise und Belastbarkeit kein Widerspruch - die Neuen sind wetterfit, robust, kippstabil und mit reißfestem Kunstfasertuch bespannt.

Umfassend flexibel, lassen sich die kurzen Armauflagen hochklappen und die Seitenteile nach hinten wegschwenken. Aussteigen? Einfach die Beinstützen wegklappen oder abnehmen. Feststell- und Trommelbremsen verhindern, dass sich der Rollstuhl selbstständig macht. Die vollwertigen, vollgummibereiften Gefährte schrecken sogar vor Parkwegen nicht zurück und haben dank ihrer Belastbarkeit von 200 kg und mehr keine Angst vor übergewichtigen, großgewachsenen Fahrern. Denn clevere Hersteller haben sich neigungsfähige Sitzwinkel und Rückenlehnen sowie Lenkräder und Seitenteile ausgedacht, die für eine optimale Balance weiter vorn sitzen. Wie Sie Ihre persönliche Rollstuhlbreite messen, lesen Sie übrigens hier.

Ausblicke mit Signalwirkung!

Schwer beweglich war gestern - jetzt verlassen Rollstühle, von Elektromotoren angetrieben, selbstbewusst asphaltierte Wege. Vorausgesetzt, die Batterieladung reicht auch für den Rückweg. Aber man forscht - an einer so genannten Smart Assisted Mobility Box (SAM) mit Reichweiten- und Standortvorhersage sowie integriertem GPS. Schafft meiner die Wunschstrecke? In Zukunft wird einfach das Geländeprofil berechnet und der barrierefreieste Weg im Voraus angezeigt. Nun, in wenigen Sekunden faltbar sind solche Kraftpakete eher noch nicht - aber bis es soweit ist, rüstet man seinen Faltbaren eben mit einer elektrischen Schiebehilfe auf ...

... und hat ihn als Bordrollstuhl auch auf dem Interkontinentalflug dabei, wo er den Gang zum WC erleichtert. Gewusst? Fluggesellschaften sind laut EU-Verordnung 1107/2006 verpflichtet, Gehbehinderten den Toilettengang zu ermöglichen, halten sich aber innerhalb Europas nicht immer daran. Manchmal, ja manchmal lob ich mir doch das Land der sprichwörtlich unbegrenzten Möglichkeiten. Nach Landung in den USA bringt einen der Shuttle-Bus (okay, nicht überall) zur Mietwagenfirma: Flügeltüren öffnen sich weit und eine Rampe gleitet hinunter - dieser Bus hat einen Rollstuhl-Lift! Es piept und blinkt - Signale, die zeigen, dass sich die Rampe hebt. We're on our way!

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  • gut zu lesen

    Wirklich gut und interressant geschrieben!
    Bei einigen Textzeilen macht man sich noch einmal wirklich bewusst was für Hilfen/Hilfsmittel es heutzutage doch wirklich gibt, welche wir schon für uns in der Gesellschaft leider als zu selbstverständlich ansehen.

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